Campus Kiel - Luftbild

Projekt zur optimalen Vernetzung von Notaufnahme und Rettungswagen

Freitag, 27. Dezember 2019

Ärztinnen und Ärzte in der Notaufnahme könnten künftig die Herzfrequenz oder den Blutdruck von Notfallpatientinnen und -patienten in Echtzeit verfolgen und mögliche Verletzungen per Videobild einordnen - noch bevor die Patienten mit dem Rettungswagen im Krankenhaus eintreffen. Die dafür benötigte Medizintechnik dafür wird im Rahmen des Projektes MOMENTUM entwickelt, an dem die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck, und die Stabsstelle Informationstechnologie des UKSH beteiligt sind. Das Projekt wird für eine zunächst dreijährige Laufzeit mit 6,6 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Ziel von MOMENTUM (Mobile Medizintechnik für die integrierte Notfallversorgung und Unfallmedizin) ist ein verbesserter Informationsfluss zwischen den Helferinnen und Helfern am Notfallort und den Ärztinnen und Ärzten in der Notaufnahme. Bis ein Rettungswagen eintrifft, stehen in der Notaufnahme bislang nur wenige Informationen über den Zustand der Patientin oder des Patienten zur Verfügung. Eine spezifische Vorbereitung der Ärzte sowie des eventuell benötigten Operationssaals ist daher nur begrenzt möglich.

Während der Projektlaufzeit sollen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass medizinische Geräte im Rettungswagen miteinander vernetzt werden können. Die erhobenen Daten sollen dann mit Hilfe des neuen Mobilfunkstandards 5G in die Notaufnahme gesandt werden. Auch Echtzeitvideos der Situation vor Ort sollen mit der 5G-Technologie übermittelt werden, noch bevor der Rettungswagen in der Klinik eintrifft. Geplant ist auch, den Helferinnen und Helfern am Notfallort das Krankenhaus-Informationssystem mit allen Untersuchungsdaten zur Verfügung zu stellen, sodass schon eventuelle Vorerkrankungen der Patientin oder des Patienten abgefragt werden können. Zur Durchführung des Projekts werden die derzeit vorhandenen Rahmenbedingungen aus technischer, ethischer, rechtlicher und sozialer Sicht untersucht.

Das Teilprojekt der Stabsstelle Informationstechnologie des UKSH hat den Aufbau und Betrieb einer Test- und Schulungsumgebung zum Ziel. Daran soll eine Testumgebung des Krankenhaus-Informationssystems des UKSH (Agfa Orbis) angebunden werden, sodass etwa Daten aus mobilen Medizingeräten, wie sie am Notfallort erhoben werden würden, über dieses System in der Notaufnahme zur Verfügung stehen. Außerdem werden Konzepte erarbeitet, die im Gegenzug einen Zugriff der Helferinnen und Helfer im Rettungswagen auf Patientendaten erlauben und dabei grundsätzliche datenschutzrechtliche Anforderungen der Datenverarbeitung miteinbeziehen.

Die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie unter der Leitung von Prof. Dr. Christian Jürgens und Prof. Dr. Andreas Paech stellt sicher, dass die Nutzeranforderungen, die sich entlang der gesamten Rettungskette stellen, in die Entwicklung dieses Systems eingearbeitet werden können. Die Überprüfung des Gesamtsystems soll schließlich in einem sogenannten Living Lab mit einem wirklichkeitsgetreuen Patientensimulator erfolgen.

Neben dem UKSH ist auch die Universität zu Lübeck mit ihrem Institut für Medizinische Elektrotechnik an MOMENTUM beteiligt. Die Koordination des Gesamtprojektes läuft über das Innovation Center Computer Assisted Surgery (ICCAS) der Universität Leipzig. Weitere Projektpartner sind die Universität Bremen und das Universitätsklinikum Leipzig. Zu den Industriepartnern zählen die SurgiTAIX AG aus Aachen und die ERNW Research GmbH in Heidelberg.

Für Rückfragen steht zur Verfügung:
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Labor für Biomechanik, Robert Wendlandt, Tel.: 0451 500-41180, E-Mail: robert.wendlandt@uksh.de

Sanitäter gibt Informationen auf einem Tablet ein. Im Hintergrund ist ein Krankwagen.

Rettungssanitäter könnten künftig besser mit der Notaufnahme vernetzt werden.

Copyright: ICCAS, Universität Leipzig

Bild in Originalgröße
Verantwortlich für diese Presseinformation:

Oliver Grieve, Pressesprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein,
Mobil: 0173 4055 000, E-Mail: oliver.grieve@uksh.de

  • Campus Kiel, Arnold-Heller-Straße 3, 24105 Kiel,
    Tel.: 0431 500-10700, Fax: 0431 500-10704
  • Campus Lübeck, Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck,
    Tel.: 0451 500-10700, Fax: 0451 500-10708